Der Scottish Six Days Trial führt jedes Jahr im Mai sechs Tage lang durch die Highlands rund um Fort William. Wir erklären Geschichte, Ablauf, Teilnahme und Rekorde des SSDT.
Der Scottish Six Days Trial, kurz SSDT, ist einer der traditionsreichsten Wettbewerbe im Motorradsport: Sechs Tage lang fahren die Teilnehmer jeweils bis zu 100 Meilen, also rund 160 km, durch die Highlands rund um Fort William und meistern dabei jeden Tag etwa 30 Sektionen. Er findet jedes Jahr Anfang Mai statt und wird vom Edinburgh & District Motor Club organisiert.
Wir zeigen dir, wie der SSDT entstanden ist, wie eine Woche in Fort William abläuft, wie du an einen Startplatz kommst und wer die Rekorde hält.
Was macht den Scottish Six Days Trial so besonders?
Ein normaler Trial geht über zwei oder drei Runden an einem Tag. Der SSDT ist dagegen eine Langstreckenprüfung über eine ganze Woche. Jeden Tag geht es über raue Moorlandschaften, felsige Pfade und öffentliche Straßen, die Route legt der Clerk of the Course für jeden Tag neu fest. Im Gelände ist sie mit Pfeilen und orangefarbenen Fahnen markiert.
Gewertet wird in den Sektionen: Wer den Fuß absetzt, bekommt Strafpunkte, wer an einer Sektion scheitert, deutlich mehr. Geschwindigkeit spielt keine Rolle, gefragt sind Können, Konstanz und Ausdauer über sechs Tage. Wie die Strafpunkte grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Ratgeber zu den Trial Regeln.
2026 standen laut dem britischen Motorradverband ACU insgesamt 168 Sektionen auf einer rund 500 Meilen langen Strecke auf dem Programm, das sind etwa 800 km. Der Großteil davon liegt auf Privatgrund, verbunden durch öffentliche Straßen.
Die Geschichte des SSDT
Die offizielle Chronik des Veranstalters nennt unter anderem diese Meilensteine:
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1909 | Der Edinburgh Motor Cycle Club veranstaltet eine fünftägige Prüfungsfahrt durch Schottland |
| 1910 | Die Fahrt wird auf sechs Tage verlängert |
| 1911 | Gründung des Edinburgh & District Motor Club und erster offizieller SSDT |
| 1914 | Zeitstrafen und Abzüge für technische Defekte kommen ins Reglement |
| 1926 | Bremstests und Kontrollen des Fahrzeugzustands werden eingeführt |
| 1931 | Beobachtete Steigungen kommen hinzu |
| 1932 | Erstmals werden Einzelsieger gewertet |
| 1947 | Wegen Treibstoffknappheit wird von Fort William aus gefahren |
| 1950 | Rückkehr nach Edinburgh |
| 1961 | Gordon Jackson gewinnt mit nur einem einzigen Strafpunkt |
| 1969 | Bill Wilkinson siegt auf Greeves, letzter Sieg eines britischen Motorrads |
| 1973 | Erstmals entscheidet ein Losverfahren über die Startplätze |
| 1977 | Umzug nach Fort William, wo der SSDT bis heute stattfindet |
| 1980 | Yrjö Vesterinen gewinnt als erster ausländischer Fahrer |
| 2001 | Absage wegen eines Seuchenausbruchs in der Landwirtschaft |
| 2011 | Der Club feiert 100 Jahre Scottish Six Days Trial |
Als zentraler Ausgangspunkt war Fort William schon 1938 gewählt worden. Während der beiden Weltkriege ruhte der Wettbewerb, außerdem fiel er 2020 und 2021 wegen der Coronapandemie aus. Wie der SSDT in die gesamte Entwicklung des Sports passt, liest du in unserem Beitrag zur Geschichte des Trialsports.
So läuft eine SSDT Woche ab
Das Programm beginnt schon vor dem eigentlichen Trial. Am Freitag und Samstag davor findet in der Region Lochaber der zweitägige Pre ’65 Trial für klassische Motorräder statt. Am Sonntag folgen die Abnahme der Motorräder im Fahrerlager und am Nachmittag die traditionelle Parade der Fahrer über die High Street von Fort William.
Von Montag bis Samstag wird dann gefahren, der Start fällt immer auf den ersten Montag im Mai. 2026 lief der SSDT vom 4. bis zum 9. Mai, für 2027 ist er vom 3. bis zum 8. Mai angesetzt. Start und Ziel liegen jeden Tag an der Uferpromenade von Fort William. Gefahren wird auf Routen rund um Lochaber, die jeden Tag anders verlaufen.
Der SSDT als Zuschauer
Die meisten Zuschauer verfolgen Start und Ziel in Fort William, viele fahren aber auch zu den Sektionen ins Gelände. Dort sind Zuschauer willkommen, sollen aber rücksichtsvoll parken. Denk daran, dass die Teilnehmer auf den Verbindungsetappen auch auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Die Routen veröffentlicht der Veranstalter vorab auf seiner Website, 2026 zum Beispiel Ende April.
Teilnahme: So kommst du an einen Startplatz
Die Nachfrage ist größer als das Angebot, deshalb entscheidet seit 1973 ein Losverfahren über die Startplätze. Für 2027 läuft die Bewerbung über ein Formular auf der offiziellen Website, die Anmeldung ist seit dem 18. Oktober 2026 geöffnet. 2026 waren laut ACU 288 Fahrer gemeldet.
Wer mitfahren will, braucht viel Fahrpraxis und Kondition, denn sechs Tage mit Sektionen und langen Etappen fordern Fahrer und Material. Die genauen Teilnahmebedingungen findest du auf der offiziellen Website des SSDT.
Praxistipp
Eine SSDT Woche fordert das Motorrad stark. Plane vor der Reise einen gründlichen Check ein, achte besonders auf Kette, Ritzel, Bremsbeläge und Reifen und nimm die wichtigsten Verschleißteile als Ersatz mit.
Welche Teile am Trialmotorrad regelmäßig fällig werden, zeigt unser Beitrag zu Verschleißteilen am Trialmotorrad. Ersatzteile findest du in unserem Shop unter Ersatzteile und Zubehör.
Rekorde und Sieger
Erfolgreichster Fahrer ist Dougie Lampkin mit 14 Siegen, den ersten holte er 1994, den bisher letzten 2023. Bemerkenswert ist auch der Sieg von Gordon Jackson 1961, der in der ganzen Woche nur einen einzigen Strafpunkt abgab.
2026 gewann der Spanier Adam Raga auf Sherco mit 10 Strafpunkten, knapp vor den Brüdern Harry Hemingway mit 11 und George Hemingway mit 12 Punkten, beide auf Beta. Raga ist laut ACU der erste ausländische Sieger seit Joan Pons im Jahr 2003. 2025 hatte Jack Peace gewonnen, 2024 Jack Price.
Spannend war das Finale 2026: Vor dem letzten Tag lagen Raga und der erst 18 Jahre alte George Hemingway punktgleich vorn. Für Raga war es der erste Sieg beim SSDT, nachdem er 2025 erstmals seit 1999 wieder in Schottland gestartet war und den Sieg noch verpasst hatte. Zusätzlich gewann er die Wertungen als bester ausländischer Fahrer und als bester Fahrer über 40.
Beste Frau war 2026 die zehnfache Trial Weltmeisterin Emma Bristow. Sie hatte ihre WM Karriere 2024 beendet, kam für den SSDT aber erneut nach Schottland.
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Häufige Fragen
Wann findet der Scottish Six Days Trial statt?
Immer ab dem ersten Montag im Mai, von Montag bis Samstag. Die Ausgabe 2027 ist vom 3. bis zum 8. Mai angesetzt.
Wie lang ist die Strecke beim SSDT?
Bis zu 100 Meilen pro Tag, also etwa 160 km. 2026 kamen laut ACU rund 500 Meilen und 168 Sektionen zusammen.
Wer hat den SSDT am häufigsten gewonnen?
Dougie Lampkin mit 14 Siegen zwischen 1994 und 2023.
Kann jeder beim SSDT mitfahren?
Die Startplätze sind begrenzt und werden per Los vergeben. Bewerben kannst du dich über das Formular auf der offiziellen Website, dort stehen auch die genauen Teilnahmebedingungen.
Was ist der Pre ’65 Trial?
Ein zweitägiger Klassiktrial für Motorräder, die vor 1965 gebaut wurden. Er findet am Freitag und Samstag vor dem SSDT in der Region Lochaber statt und hat eine eigene Website.
Fazit
Der Scottish Six Days Trial verbindet seit über 100 Jahren Trialsport, Ausdauer und schottische Landschaft. Ob als Teilnehmer oder als Zuschauer an den Sektionen, der SSDT ist ein Stück lebendige Trialgeschichte. Wer selbst einmal starten möchte, sollte sich rechtzeitig für die Verlosung der Startplätze bewerben. Wenn du dich mit einem Beta Trialmotorrad auf solche Abenteuer vorbereiten willst, schau in unseren Fahrzeugbestand oder besuch uns in Waldkraiburg.
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