Eine Trial Sektion liest du zu Fuß: Tore, Grip und Schlüsselstellen prüfen, Referenzpunkte festlegen und die Linie im Kopf fahren. So gehst du bei der Besichtigung vor und wählst die passende Linie.
Eine Trial Sektion liest du, indem du sie vor dem Fahren zu Fuß abgehst, Tore, Untergrund und Schlüsselstellen prüfst und dir eine Linie mit festen Referenzpunkten zurechtlegst. Die beste Linie ist dabei selten die kürzeste, sondern die, auf der du mit gutem Grip und möglichst ohne Fußberührung durchkommst. Wie du bei der Besichtigung vorgehst und welche Regeln dabei gelten, erfährst du hier.
Was eine Trial Sektion ausmacht
Eine Sektion ist ein abgegrenzter Abschnitt, den du möglichst fehlerfrei durchfahren musst. Bänder markieren die Begrenzung, Pfeile bilden die Tore für die einzelnen Klassen. Nach dem Trial Reglement des DMSB für 2026 hat jedes Klassentor nur eine klar definierte Fahrtrichtung, und vorgegebene Einfahrten, Spuren und Ausfahrten deiner Klasse musst du einhalten.
Gewertet wird mit Strafpunkten, und die Zeit ist begrenzt: Laut DMSB hast du in der Sektion 90 Sekunden. Die Zeit läuft, sobald die Vorderradachse den Sektionsbeginn überquert, und endet am Sektionsende.
| Ergebnis in der Sektion | Strafpunkte |
|---|---|
| Fehlerfrei durchfahren | 0 |
| Einmal Fuß | 1 |
| Zweimal Fuß | 2 |
| Dreimal Fuß oder öfter | 3 |
| Scheitern, zum Beispiel Rückwärtsbewegung mit Bodenberührung, Überfahren der Begrenzung, ausgelassenes Klassentor oder überschrittene Fahrzeit | 5 |
Als „Fuß“ zählt jede Berührung des Bodens oder eines Hindernisses mit dem Körper oder dem Motorrad, ausgenommen Reifen, Fußrasten und Unterbodenschutz. Auch wer ohne angelegte Abreißleine in die Sektion fährt, gilt als gescheitert. Mehr zur Wertung erklärt der Beitrag Trial Regeln: Punktesystem, Sektionen und Wertung, die vollständigen Reglements findest du auf der Trialseite des DMSB.
Sektion besichtigen: Schritt für Schritt
Nach dem Reglement des DMSB darfst du die Sektionen während der ganzen Veranstaltung zu Fuß besichtigen. Dabei gilt Helmpflicht, also bleibt dein Trialhelm auf. Du darfst keinen Fahrer in der Sektion behindern, und dein Motorrad stellst du so ab, dass die Zufahrt frei bleibt. Andere Serien und Veranstalter können die Besichtigung anders regeln, maßgeblich ist immer die Ausschreibung.
- Überblick verschaffen: Geh die Sektion einmal komplett ab und präge dir Einfahrt, Ausfahrt und alle Tore deiner Klasse ein. Ist die Richtung eines Tores nicht eindeutig, frag beim Punktrichter nach.
- Schlüsselstelle finden: Suche die schwierigste Stelle, etwa eine Stufe, eine enge Kehre oder einen rutschigen Hang. Plane deine Linie von dort aus rückwärts, damit du mit passendem Schwung und in der richtigen Position ankommst.
- Untergrund prüfen: Tritt auf Steine, Wurzeln und Erde und prüfe, wo es greift und wo es rutscht. Lose Steine, Moos und nasses Holz erkennst du zu Fuß viel besser als vom Motorrad aus.
- Linie für das Hinterrad planen: Das Hinterrad bringt den Vortrieb. In engen Kurven sollte es über den gleichmäßigsten und griffigsten Weg laufen, während das Vorderrad weiter außen fahren darf.
- Referenzpunkte festlegen: Merke dir markante Steine, Wurzeln oder Bäume, etwa für den Einlenkpunkt oder die Stelle, an der du Gas gibst.
- Gang, Gas und Bremse planen: Entscheide, in welchem Gang du einfährst, wo du Schwung brauchst und wo du bremst.
- Linie im Kopf fahren: Fahre die Sektion vor dem Start in Gedanken durch, in realem Tempo und ohne Teile zu überspringen.
Wichtig
Trainieren in den Sektionen ist vor dem Wettbewerb untersagt und kann nach dem Reglement des DMSB zur Disqualifikation führen. Zum Einfahren nutzt du den Trainingsbereich, den der Veranstalter dafür einrichtet.
Linienwahl im Trial: Woran du die richtige Linie erkennst
Grip schlägt Abkürzung
Die kürzeste Linie bringt nichts, wenn das Hinterrad dort durchdreht. Oft ist ein kleiner Umweg über griffigen Boden die sicherere Wahl, gerade wenn es nass ist. Wie du rutschigen Untergrund fährst, liest du im Beitrag Trial bei Nässe.
Anlauf und Schwung einplanen
Vor Stufen und Hängen brauchst du genug Platz, um Schwung aufzubauen und das Motorrad gerade auszurichten. Vermeide Linien, bei denen du direkt aus einer engen Kurve an die Schlüsselstelle musst. Wie du Stufen technisch angehst, erklärt der Beitrag Stufen fahren im Trial.
Kurven weit anfahren
Enge Kehren gelingen leichter, wenn du weit ausholst und das Motorrad mit Druck auf die Fußrasten neigst. Schau dabei immer zum nächsten Ziel, also zum nächsten Tor oder Referenzpunkt. Wer erst im Tor überlegt, wohin es weitergeht, verliert Schwung und braucht schnell den Fuß.
Typische Schlüsselstellen richtig lesen
Bestimmte Hindernisse begegnen dir im Trial immer wieder. Wenn du weißt, worauf du jeweils achten musst, liest du sie schneller und sicherer.
- Stufen: Prüfe, ob die Kante griffig ist und ob davor genug ebener Platz für den Anlauf bleibt.
- Enge Kehren: Schau, wo du weit ausholen kannst und wo das Hinterrad festen Boden findet.
- Schräghänge: Plane die Linie eher etwas höher am Hang, denn bei wenig Grip rutscht das Motorrad talwärts.
- Auffahrten: Achte darauf, wie der Hang oben ausläuft und ob du direkt nach der Kuppe lenken oder bremsen musst.
- Bachläufe: Prüfe, ob Steine wackeln, und merke dir Referenzpunkte am Ufer, weil du im Wasser wenig siehst.
Einen Plan B haben
Lege dir für schwierige Stellen eine Ausweichlinie zurecht und überlege, wo ein Fuß am wenigsten kostet. Ein bewusst gesetzter Fuß kostet einen Strafpunkt, ein Scheitern fünf. Verschiebst du den Fuß nach dem Aufsetzen, wertet das Reglement des DMSB das als weiteren Strafpunkt. Behalte außerdem die Fahrzeit im Blick: Wer lange an einer Stelle balanciert oder mehrfach ansetzt, kann sie überschreiten.
Trial Taktik im Wettbewerb
Beobachte, wenn möglich, wie andere Fahrer die Sektion angehen. Du siehst, wo sie Grip finden, wo sie den Fuß brauchen und welche Linie funktioniert. Übernimm aber keine Linie blind, die nicht zu deinem Können und deinem Motorrad passt.
Rechne außerdem damit, dass sich eine Sektion im Lauf des Tages verändert. Spuren werden tiefer, Erde wird glatt, und Steine, die du bei der Besichtigung gesehen hast, können verschoben sein. Ein kurzer zweiter Blick vor deinem Start lohnt sich deshalb.
Nach der Sektion hakst du sie ab. Analysiere einen Fehler kurz und sachlich, leite eine Lösung für das nächste Mal ab und konzentriere dich dann voll auf die nächste Aufgabe. Denk dabei an das, was du tun willst, und nicht an das, was du vermeiden möchtest.
Praxistipp
Fasse deinen Plan beim Besichtigen in wenige Stichworte, zum Beispiel „weit ausholen, am hellen Stein einlenken, vor der Stufe Gas“. Kurze Stichworte kannst du unter Anspannung leichter abrufen als einen langen Plan.
Sektionen lesen im Training üben
Das Lesen von Sektionen lässt sich gut trainieren. Stecke auf dem Trainingsgelände mit Markierungen eine kleine Sektion ab, besichtige sie wie im Wettbewerb und fahre sie dann. Vergleiche anschließend, wo dein Plan aufging und wo nicht.
Fahre dieselbe Sektion danach bewusst auf einer zweiten Linie, so lernst du, welche Variante dir besser liegt. Noch mehr bringt das Üben mit anderen Fahrern im Verein, weil ihr eure Linien vergleicht und euch gegenseitig beobachtet. Wie du in den Vereinssport einsteigst, erklärt der Beitrag Trial im Verein: Training, Lizenz und erste Wettbewerbe.
Häufige Fragen
Darf ich eine Trial Sektion vor dem Fahren zu Fuß besichtigen?
Bei Veranstaltungen nach dem Trial Reglement des DMSB ja, und zwar während der ganzen Veranstaltung mit Helm. Andere Serien und Veranstalter können das anders regeln, maßgeblich ist die jeweilige Ausschreibung.
Darf ich die Sektion vorher mit dem Motorrad üben?
Nein. Trainieren in den Sektionen ist vor dem Wettbewerb untersagt und kann zur Disqualifikation führen. Laut DMSB soll der Veranstalter dafür einen eigenen Trainingsbereich einrichten.
Wie viel Zeit habe ich in einer Sektion?
Nach dem Trial Reglement des DMSB für 2026 beträgt die Fahrzeit in der Sektion 90 Sekunden. Wer sie überschreitet, gilt als gescheitert und bekommt 5 Strafpunkte. Bei anderen Veranstaltungen gilt die jeweilige Ausschreibung.
Welche Linie ist für Anfänger die beste?
Die Linie, die du sicher und mit gutem Grip fahren kannst, auch wenn sie etwas länger ist. Ein geplanter Fuß an einer schwierigen Stelle kostet einen Strafpunkt, ein Scheitern dagegen fünf.
Fazit
Wer eine Trial Sektion gründlich besichtigt, fährt mit einem Plan statt auf gut Glück. Prüfe Tore, Grip und Schlüsselstellen, lege Referenzpunkte fest und fahre die Linie vorher im Kopf. Du hast Fragen zu Setup oder Reifen für deinen nächsten Wettbewerb? Melde dich bei uns, wir beraten dich gern.
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